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Die Windsors

royale Adern mit deutschem Blut

Die Königin von England gibt sich gerne betont britisch. Wer würde je auf den Gedanken kommen, dass sie, nebst Gemahl Prinz Philip, deutsche Vorfahren hat?

Die halbe Welt wandte sich London zu, als sich Prinz William Mountbatten-Windsor und Catherine Middelton dort am 29. April 2011 das Ja-Wort gaben. Mit stolzgeschwellter Brust stand das englische Volk Spalier und jubelte ihrem zukünftigen Königspaar zu. Wer käme da schon auf den Gedanken, dass Prinz William weniger englisches Blut besitzt als der Großteil seiner Untertanen? Dass seine Ehefrau Catherine sogar britischer ist als his royal highness selbst?

Der deutsche König und der englische Tron

Der Stammbaum von Queen Elisabeth II., aber auch von deren Gemahl Prinz Philip Mountbatten, ist längst nicht so britisch, wie man es landläufig annehmen möchte. Ein Blick in die Geschichte der englischen Monarchie lässt schnell erkennen, dass noch immer mehr deutsches Blut in den Adern der heutigen Windsors fließt, als ihnen lieb sein wird. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf König Georg I., der 1714 den Thron von Großbritannien und Irland bestieg. Er stammte aus Deutschland, aus den Hause Hannover, und war vor der englischen Krönung Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg.

Ihm voraus ging der vom englischen Parlament geschaffene Act of Settlement (Grundordnung). Er schrieb fest, dass nach dem Tod der kinderlosen Königin Anne Stuart 1714 nur noch ein protestantischer Monarch nachfolgen darf. Grund dafür waren die jahrhundertelangen blutigen Schlachten zwischen Katholiken und Protestanten im Königreich. Um den unerträglichen Wechsel zwischen Monarchen dieser beiden Konfessionen zu unterbinden, legte man fest, dass die Thronfolge endgültig auf die protestantischen Nachkommen der Sophie von der Pfalz aus dem Haus Hannover überging, der nächsten lebenden protestantischen Verwandten des englischen Königshauses. Durch dieses Gesetz, das noch bis vor kurzem in Kraft war, wurden sämtliche Katholiken aus der englischen Thronfolge ausgeschlossen.

Es dauerte 24 Jahre, bis aus Deutschen Engländer wurden

Georg I. trat mit der englischen Thronbesteigung ein wahrlich schweres Erbe an. Er fühlte sich in London nicht wohl und weilte so oft es ging weiterhin am Hofe von Hannover, was ihm das englische Volk alsbald sehr verübelte. Zudem hält sich bis heute die Behauptung, er hätte kaum ein Wort Englisch verstanden und zur Führung der wichtigsten Amtsgeschäfte in seiner Not auf Französisch zurückgreifen müssen. Auf den Thron folgte ihm sein Sohn Georg II., der wenig Interesse an seinem immer noch fremden Land zeigte und die Amtsgeschäfte fast völlig dem Premierminister überließ. Erst Georg III., der 1738 geboren wurde, war der erste britische Monarch aus dem Hause Hannover, der in Großbritannien geboren wurde und dessen Muttersprache Englisch war.

Da die englischen Könige in weiterer Folge auch immer noch Fürsten und Könige von Hannover waren, erfolgte auch mehrheitlich eine Heirat mit deutschen Adelshäusern. So kommt es, dass der Ur-ur-Großvater der amtierenden Queen Elisabeth II. Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha hieß und einen eindeutig deutschen Stammbaum aufwies. Doch nicht nur die Queen, auch Prinzgemahl Philip Mountbatten, Duke of Edinburgh, verzeichnet einige deutsche Ahnen in seinem Stammbaum. Seine Eltern waren Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark und Prinzessin Alice von Battenberg. Diese war die Tochter des deutschen Fürsten Ludwig von Battenberg, der in Graz in Österreich geboren wurde. Prinz Philips Vater war ebenfalls kein gebürtiger Grieche, wie der Name anmuten möchte, sondern entstammt lediglich der griechischen Linie des deutschen Adelshauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

Die Windsors und der erste Weltkrieg

Der Beginn des Ersten Weltkrieges führte in Großbritannien zu einer massiven antideutschen Stimmung. Besonders Ludwig von Battenberg, der Großvater von Prinz Philip, stand durch seine Tätigkeit bei der deutschen Marine im Zentrum der Schmähungen. Das führte dazu, dass der englische Zweig der Familie Battenberg, und somit auch Fürst Ludwigs Enkel Philip, bei dessen Heirat mit der damaligen Kronprinzessin Elisabeth seinen hessischen Titel ablegen und seinen Namen von Battenberg in Mountbatten ändern musste, um das hitzige Gemüt des Volkes zu kühlen. Eine Tatsache, die das englische Königshaus wohlweislich nur spärlich erwähnt.

Auch der Familie der heutigen Queen ging es nicht besser. Ihr Großvater, der damals amtierende König George V., verzichtete ebenfalls von diesem Zeitpunkt an auf alle deutschen Titel und nannte sich fortan mit Familiennamen Windsor. Andernfalls trüge auch Elisabeth II. heute noch den Zusatz Sachsen-Coburg und Gotha in ihrem Namenszug. Hätten all diese notgedrungenen Namensänderungen nicht stattgefunden, unser aller Liebling Prinz William trüge anstatt des schmückenden Mountbatten-Windsor den Namen Battenberg-Sachsen-Coburg und Gotha ;-).

Nach der Anzahl dieser Fakten erscheint es wenig verwunderlich, dass sich das britische Königshaus besonders anstrengt, very british zu sein.