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Mary King´s Close in Edinburgh

Unheimliches Mittelalter

"Closes" heißen die Gassen in Edinburghs Altstadt. Einige davon wurden im Laufe der Jahrhunderte überbaut. Die so entstandenen Keller bergen Schauriges.

Die Altstadt in Edinburgh liegt auf einem Felsrücken. Von der Kuppe, auf der majestätisch das Edinburgh Castle thront, zieht sich die historische Hauptstraße, die Royal Mile, hinunter. Rechts und links dieser Prachtstraße zweigen die Closes ab, enge Gassen, die meist steil bergab führen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Gebäude entlang der Royal Mile immer stärker ausgebaut, um dem Fortschritt der schottischen Hauptstadt gerecht zu werden. Dabei wurden so manche Closes einfach überbaut und in die Tiefgeschoße der neu entstandenen Häuser integriert.

Schaurige Überbleibsel im Untergrund der Stadt

So erging es auch der Mary King´s Close. In früheren Jahrhunderten war sie eine ganz normale Gasse, dann wurde sie mit einer Betondecke beglückt und fristete von da ab ein Leben im Dunkeln. Mit "eingemauert" wurden jedoch auch die Räume im Erdgeschoss der Häuser entlang der Close, während der höhere Teil den neuen Bauwerken weichen musste.

Geschützt vor der Zerstörung durch Wind und Wetter erhielt sich dadurch in den Tiefen der Altstadt ein unvergleichliches mittelalterliches Zeitzeugnis. In einem der ehemaligen Wohnräume existieren z.b. noch dekorative Wand-Drucke, die die Bewohner im 15. Jahrhundert aus Ermangelung an Tapeten dort angebracht haben. Ein anderer Raum beherbergte ehemals einen Kuhstall. Durch den fehlenden Luftaustausch kann man den typischen Stallgeruch trotz der langen Zeitspanne noch immer wahrnehmen.

Die Pest und anderes Übel

Natürlich finden auch schwere Zeiten wie die Pest-Epidemien Erwähnung. Zudem gibt diese Gasse Einblick darüber, wie die Stände damals in der Stadt aufgeteilt waren. So lebte in den immer noch existierenden Räumen der Mary King´s Close durchwegs die mittellose Bevölkerung. Die wohlhabende Schicht wählten aus gutem Grund ihre Behausung in höher gelegenen Stockwerken. Die unaussprechliche Angewohnheit der damaligen Zeit, seinen Nachttopf stets aus dem Fenster zu kippen, lässt den Grund schnell erkennen. Wähnten sich die Bewohner ab dem ersten Stockwerk noch in einigermaßen sauberen Verhältnissen, wateten die Bewohner der Erdgeschoße buchstäblich bis über die Knöchel in Fäkalien. Zwar wusch der häufige Regen in Schottland die Gassen immer wieder rein, schwemmte den Unrat aber erst recht in die Wohnstuben der Armen.

Zu einem gelungenen Aufenthalt in Edinburgh gehört auf jeden Fall ein Besuch dieser faszinierenden Stätte. Bei einem Bummel über die Royal Mile stolpert man ja direkt über den Eingang. Führungen werden in regelmäßigen Abständen und in mehreren Sprachen angeboten, und die Führer tauchen in liebevoll gestalteten historischen Kostümen auf.