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Bericht 2

Menschenleere Highlands

... die grausame Geschichte Schottlands

1746 siegten englische Truppen endgültig über die Schotten. Was danach folgte ist eines der grausamsten Kapitel der europäischen Geschichte.

Ihren Anfang nahmen die traumatischen "Hochlandräumungen" mit dem Niedergang der schottischen Clans. Am 16. April 1746 fand im schottischen Culloden die letzte große Schlacht auf dem Boden der britischen Insel statt. Nach jahrzehntelangen Aufständen der Schotten gelang es den englischen Truppen unter dem Herzog von Cumberland endgültig, die Highlander für alle Zeiten vernichtend zu schlagen. Diese Niederlage gilt in Schottland heute noch als nationale Katastrophe und bildet einen traurigen Höhepunkt in der Vergangenheit des Landes.

Die Clans werden verboten

Bis zu jenem Zeitpunkt bestand in den Highlands jahrhundertelang ein System von über 150 Clans. So bewohnte ein jeder Clan eines der Hochlandtäler für sich und führte eine strenge Hirarchie mit Chiefs und dem Clan verpflichteten Mitgliedern. Außerdem waren sie Ackerbauern und züchteten die schwarzen Highland-Rinder, die Black Cattles.

Nach der Schlacht von Culloden wurde den Highland-Bewohnern von englischer Seite alles verboten, was ihre Kultur ausmachte. Das Clanwesen wurde zerschlagen, die Burgen und Stammsitze geplündert. Sie durften keine Kilts mehr tragen, und auch das schottische Karomuster, der Tartan, durfte nicht mehr öffentlich gezeigt werden. Das eroberte Land wurde von englischen Großgrundbesitzern annektiert und für teures Geld an die Bewohner weiterverpachtet.

Die Highland Clearances

Ende des 18. Jahrhunderts erlebte England einen industriellen Aufschwung. Im Zuge dessen stieg auch die Nachfrage der Textilindustrie, was die Großgrundbesitzer, die neuen Hochlandfürsten, für sich zu nutzen wussten. Sie stiegen in den Wollhandel ein und begannen, das in Besitz genommene Land von der traditionellen Landwirtschaft durch die Bewohner auf eine großflächige, exzessive Schafhaltung umzustellen. Zahlungskräftige Züchter boten für das Weiden ihrer Schafe bis zu dreimal höhere Pachtsätze als die Schotten, die bereits seit Jahrhunderten dort lebten.

Um die entsprechenden Weideflächen zu gewinnen, begann eine der unwürdigsten Vertreibungen der europäischen Geschichte. Zwei Drittel der damaligen Bevölkerung wurden an die Küsten Schottlands zwangsumgesiedelt. Das Resultat war schließlich die fast völlige Entleerung des Hochlandes. Gleichzeitig stieg die Überbevölkerung im Küstenraum, der den meisten Highlandern keine Existenzmöglichkeit bot. So mussten die Vertriebenen entweder auf englische Industriegebiete ausweichen oder nach Übersee emigrieren.

Verstärkt durch verheerende Hungersnöte und das zweifelhafte Angebot des Staates, Prämien für Auswanderer zu zahlen, wurden die Highlands, die vor 1745 noch ein Drittel der schottischen Gesamtbevölkerung zählten, bis 1870 nahezu menschenleer. Durch diese Zwangsvertreibung entstand in Kanada sogar eine eigene Provinz - Neuschottland, Nova Scotia.

Widerstand gegen diese Gräuel waren zwecklos. Wer seinen Besitz nicht freiwillig aufgab, bekam rohe Gewalt zu spüren. Haus und Hof wurden niedergebrannt, Familien auseinandergerissen und Aufständische in die Strafkolonien Australiens verschifft. Wen verwundert es, dass sich die Nachfahren der Auswanderer auch sechs Generationen später noch an die Namen jener Soldaten erinnern, die ihre Vorfahren aus der alten Heimat vertrieben?