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Tower von London

Mehr als nur Kronjuwelen

Vom Tower, der mächtigen Burg im Herzen Londons, haben schon die meisten gehört. Doch nur wenige kennen die Geschichten, die sich um dieses Gemäuer ranken.

Seit 900 Jahren schon steht der Tower wuchtig und bedrohlich am Ufer der Themse. Im Mittelalter noch vor den Toren der City of London, ist er heute ein Herzstück der Innenstadt und eine der größten Touristenattraktionen Englands. Unmittelbar daneben wurde im 19. Jahrhundert die Tower Bridge gebaut, das Wahrzeichen Londons.

Die wichtigsten Gebäude im Tower

Wer noch nicht in London war, hält oft den White Tower mit seinen beeindruckenden vier Türmen für die eigentliche Burg, weil gerade dieses Bauwerk oft mit der Erwähnung des Towers einher geht. Tatsächlich ist der Tower aber eine ganze Anlage. Ein breiter Wassergraben, der heute begrünt ist, umgibt das Gelände.

Der erwähnte White Tower ist ein dreistöckiges, beinahe quadratisches Bauwerk genau in der Mitte des Burgareals. Er ist das am meisten umgebaute und erweiterte Gebäude und diente in früheren Jahrhunderten als Wohnhaus. Zu sehen sind heute noch die mächtigen offenen Kamine, mit denen ein wenig Wärme in die klammen Mauern kommen sollte. Im White Tower befindet sich auch die interessante Ausstellung "Fit for a King" mit dutzenden historischen Rüstungen und Folterinstrumenten.

An der linken Burgmauer liegt der Beauchamp-Tower. Er war eines von mehreren Burggefängnissen . Interessant sind hier die vielen Inschriften, die von Häftlingen im Laufe der Jahrhunderte in die Sandsteinmauern eingeritzt wurden. Heute unter Plexiglas, kann man beinahe noch jedes Wort erkennen. Der Weg durch die Anlage führt auch unweigerlich durch den Bloody Tower, den Blutturm. Im Untergeschoß war früher die Folterkammer, durch die man auch heute noch gehen kann. Den Namen erhielt dieser Turm durch die Ermordung zweier kleiner Prinzen. Mehr dazu weiter unten im Text.

Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich einen Rundgang über die Burgmauer, die einen spektakulären Blick auf die Tower Bridge bietet. Zu recht bekannt ist natürlich das Jewelery House an der nördlichen Burgmauer, in dem die Kronjuwelen aufbewahrt werden. An besucherstarken Tagen braucht man einen langen Geduldsfaden um bis zum Fließband vorzudringen, das einen gemächlich an den royalen Kostbarkeiten vorbeigeleitet. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, an keinem anderen Ort der Welt stehen Schätze von solchem Wert auf so engem Raum.

Palast und Gefängnis

Bis zum 17. Jahrhundert wurde der Tower zumindest zeitweise von den Monarchen bewohnt. Im sogenannten Medieval Palace, dem mittelalterlichen Palast, wurden einige Kammern der damaligen Lebensweise nachempfunden. Touristen bekommen so einen Einblick in das Leben zur Zeit King Edwards im 13. Jahrhundert. Außerdem diente der Tower seit jeher als Gefängnis. Meist wurden hier jedoch prominente Häftlinge festgehalten, was ihm den ungewöhnlichen Ruf eines Luxusgefängnisses einbrachte. Tatsächlich soll es Gefangene gegeben haben, die wie Staatsgäste behandelt wurden und die ihre Zeit dort mit allem nur erdenklichen Komfort verbrachten. Daneben gibt es aber auch viele grausame Schicksale, denn allzuviele Menschen mussten auf dem Gelände ihr Leben lassen.

Tragische Geschichten und Spukerscheinungen

1483 wurden die jungen adeligen Brüder Eduard und Richard of Shrewsbury von ihrem Onkel Richard III. im Tower ermordet. Er sah durch ihre Nähe zum Thron seine Herrschaft gefährdet. Diese Tragödie gab dem Bloody Tower seinen Namen. Bis zum heutigen Tag berichten Augenzeugen über Sichtungen zweier kleiner Jungen auf dem Gelände des Towers. Mancher will sie mit Bettlaken verhüllt gesehen haben, mancher in historischer Kleidung, manch einer will sogar ihre Klagelaute vernommen haben.

Traurige Berühmtheit erhielt der Tower auch während der Herrschaft von Heinrich Tudor VIII. Er ließ zwei seiner sechs Frauen hier ermorden. Anne Boleyn, weil sie dem König keinen männlichen Erben schenkte, und Catherine Howard, weil sie Ehebruch begangen hatte. Ebenfalls hier hingerichtet wurde die sogenannte "Neuntagekönigin" Lady Jane Grey, die zwischen die Fronten von Katholiken und Protestanten kam. Die Gespenster dieser drei Frauen wollen ebenfalls häufig gesehen werden.

Englands Ghosthunter sprechen insgesamt vom meistbespukten Gebäude Londons, was bei der Anzahl an Ermordeten auch nicht weiter verwunderlich wäre. Der letzte Gefangene in der Geschichte des Towers war 1945 übrigens Rudolf Hess, Hitlers Stellvertreter. Die letzte Hinrichtung fand 1941 an dem deutschen Spion Josef Jakobs statt.

Yeoman Warders

Sie bezeichnen sich als älteste Leibwache der Welt und waren früher für die Bewachung der Kronjuwelen und der Gefangenen zuständig. Im Tower fallen sie sofort durch ihre ungewöhnlichen Uniformen in Rot-Schwarz auf. Eine Führung mit einem der "Beefeater", wie sie der Volksmund nennt, ist sehr zu empfehlen. Sie kennen die Geschichte dieses Gemäuer bis ins Detail und verblüffen immer wieder mit mysteriösen Geschichten und Ereignissen.